Landesjägertag 2026

„Neue Wege bei der Schalenwildbewirtschaftung“

Der diesjährige Landesjägertag am Samstag, 29. August 2026, hat erfreulich guten Zuspruch gefunden. Die Schulze-Kathrin-Halle in Saarwellingen-Schwarzenholz war nahezu komplett besetzt. Vertreter fast aller politischen Parteienwaren waren anwesend und haben sich in ihren Grußworten positiv zur Jagd und lobend zum Einsatz von Jägerinnen und Jäger für unsere Natur geäußert, allen voran Umweltministerin Petra Berg (SPD).

Großen Anklang hat das fast einstündige Referat des Forstwissenschaftlers und Wildökologen Prof. Dr. Dr. Sven Herzog von der „Technischen Universität Dresden“ zum Thema „Neue Wege bei der Schalenwildbewirtschaftung“ gefunden. Der bekannte Wissenschaftler hat nicht nur zu ökosystemaren Zusammenhängen, sondern auch sehr überzeugend zum Spannungsfeld „Wald, Wild und Jagd“ Stellung genommen.

Er beschäftigte sich dabei ausschließlich mit dem „wiederkäuenden Schalenwild“ 

und ließ das Schwarzwild bewusst außen vor. Er konzentrierte sich hier auf das Rot- und das Rehwild. Er forderte zum Dialog auf. Man solle weder die Rollen vom „Bad Guy“ oder „Good Guy“ ans Wild verteilen noch als Förster oder Jäger eine „Opferrolle“ einnehmen. Die erste Frage, die er stellte, war, ob es „zu viel“ Wild gebe. Dr. Alfred Brehm („Brehms Tierleben“) sprach schon 1891 davon, dass Rotwild mehr Schaden als Nutzen stifte und in der neueren Zeit befeuerte Horst Stern an Weihnachten 1971 die Diskussion über das Rotwild mit dem Zitat: „…es ist nicht dringlich zurzeit, den Hirsch zu schonen, es ist dringlich zurzeit, ihn zu schießen…“. Gleichzeitig sprach Stern aber auch von „…baumartenarmen, naturwidrigen Holzfabriken…“. Wenn man sich die Verbreitungskarte des Rotwildes in Deutschland anschaue, könne man aber nicht zu dem Ergebnis kommen, dass es zu viel Rotwild in Deutschland gebe. Ganz im Gegenteil, gerade in Baden-Württemberg und Bayern sperre man das Rotwild in enge Gebiete ein. Und im Saarland stelle man am „Pellinger Berg“ die Wildbrücke über die „BAB 8“ in Frage durch das Vorhaben, dort eine „Solaranlage“ zu errichten. Als nächstes fragte er danach, ob es einen „Wald-Wild-Konflikt“ gebe. Seinen Vergleich vom Februar 2025 in Otzenhausen, dass es auch keinen „Fisch-Wasser-Konflikt“ gebe, brachte er in Schwarzenholz nicht an. Aber er verwies darauf, dass Huftiere natürlicher Bestandteil aller Waldökosysteme seien. Es gebe natürlich einen signifikanten Einfluss auf die Vegetation durch Fraßeinwirkung. Huftiere und Vegetation seien dabei Objekte unterschiedlicher, jeweils legitimer, menschlicher Nutzungs-Interessen. Und wo unterschiedliche Nutzungsinteressen aufeinanderträfen, gebe es nun mal Konfliktpotential. Ein Thema, das er dabei aber aus Zeitgründen nicht näher beleuchten könne, sei die Frage, wie die Fraßeinwirkung auf die Waldverjüngung monetär zu bewerten sei und man dementsprechend überhaupt von einem „Schaden“ reden könne. Dies sei im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Kulturen aufgrund der langen Wachstumszeit der Bäume sehr problematisch. Wenn ein Ersatzpflichtiger z.B. für Schälschäden in einem Fichtenbestand Ersatz geleistet habe und der Bestand gehe nachher durch Borkenkäferfraß oder ganz aktuell beispielsweise durch Brandeinwirkung zugrunde, bekomme der Jäger nun sein Geld zurück, fragte Prof. Herzog rein rhetorisch.

Fraßeinwirkungen entstünden nicht generell durch die Wilddichte, sondern auch durch Störungseinflüsse, jagdlicher oder auch nichtjagdlicher Natur, durch falsche Bejagungskonzepte und falsche oder fehlende Überwinterungskonzepte. Wenn Rotwild aus Mittelgebirgslagen nicht mehr im Winter in Auengebiete ziehen könne, seien Probleme vorprogrammiert und man müsse hier insbesondere über die Lebensraumgestaltung nachdenken.

Prof. Herzog beleuchtete die Rolle des Schalenwildes für die Biodiversität. Die Biodiversität eines Waldes beziffere sich nicht nur durch die Anzahl der Baumarten, sondern auch durch die Anzahl aller Pflanzenarten und aller Tierarten! Schalenwild trage zum Transport von Pflanzensamen und dadurch zu ihrer Ausbreitung bei, z.B. über das Fell, aber auch über die Losung. Auch Offenland innerhalb von Waldkomplexen steigere die Biodiversität. Der „Naturschutz“ halte heute viele Flächen offen durch Beweidung durch Schafe. Alternativ sollte man hier auch über die Offenhaltung durch große Schalenwildarten nachdenken.

Bei Waldwildschäden werde sofort nach einem höheren Abschuss gerufen. Selten werden die Probleme aber dadurch gelöst. Es müsse immer zuerst eine Lebensraumbewertung stattfinden und dann erst entschieden werden, ob eine Lebensraumverbesserung möglich und zielführend sei oder ob man eine Reduktion des Wildbestandes versuchen müsse. Wissenschaftliche Untersuchungen über die Lebensraumnutzung von z.B. Rotwildpopulationen, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Verhaltensweisen von Hirschen und Kahlwild, hätten gezeigt, dass es zu einer stark schwerpunktorientierten Lebensraumnutzung komme. Es gebe keine „gleichmäßige“ Verteilung des Bestands, sondern es finde regelmäßig ein sehr konzentrierter Einfluss auf die Vegetation statt. Dieser Einfluss werde bestimmt von der „lokalen Dichte“, nicht vom Gesamtbestand! Es gebe also keinen linearen Zusammenhang zwischen der absoluten Bestandshöhe und der Fraßeinwirkung auf die Vegetation!

Auch erteilte er einem frühen Jagdzeitbeginn eine klare Absage: Nach dem Herabfahren der körperlichen Aktivitäten im Winter bilde das Frühjahr die Zeit der Erholung und der körperlichen Aktivitäten. Das Schalenwild finde sich häufig auf den Offenlandflächen mit guter Vegetation. Von dort solle man es im April, Mai und Juni nicht durch Bejagung in den Wald zurückdrängen, was eher Schäden verursachen könne.

Prof. Herzog erläuterte weiter den Einfluss des Wolfes insbesondere auf das Rotwild. Wolf und Rotwild hätten ein besonderes Verhältnis zueinander. Wenn der Wolf ein Rotwildgebiet besiedele, komme es zu Verhaltensänderungen gegenüber früher. Dies könne auch zu Großrudeln führen und örtlich höheren Fraßeinwirkungen. Nach wenigen Jahren hätten sich aber beide Populationen aufeinander eingespielt und das Rotwild als solches sei nicht gefährdet.

Abschließend stellte Prof. Herzog folgende „Hausaufgaben“ an die Jägerschaft und die Waldbesitzer und Förster: Die Werte, die beide Seiten hätten, sollten gegenseitig respektiert werden. Alte jagdliche und forstliche Glaubenssätze solle man verlassen, soweit vorhanden. Oberziel sollen stabile Wälder sein. Die Höhe der Jagdstrecke sei dem untergeordnet. Hierzu brauche man klare, flächenscharfe waldbauliche Ziele und keine Phrasen. Dies erreiche man durch zielorientierte Jagdstrategien. Hierbei sei es sehr wichtig, mit jagdlichen Schwerpunkten und mit Jagdruhe zu arbeiten. Jedes Revier müsse mindestens 5% Ruhezonen und mindestens 5 % Äsungsflächen aufweisen. An diesen Äsungsflächen dürfe auf keinen Fall gejagt werden, auch nicht selten oder ausnahmsweise! Jagdliche Schwerpunkte seien die Verjüngungsflächen. Hier zeigte er schöne und funktionierende Beispiele aus „Grafenwöhr“, wenn auch ein Truppenübungsplatz andere Prämissen habe als ein normales Forstrevier.

Landesjägermeister Josef Schneider bedankte sich herzlich beim Referenten, dass er unterschiedliche und neue Blickwinkel eröffnet habe.

In seinem Bericht beleuchtete Landesjägermeister Josef Schneider anschließend die Situation des Schalenwildes und des Niederwildes im Saarland im letzten Jagdjahr 2025/2026. Besonders die Trockenheit habe auch dem Wild zu schaffen gemacht und er dankte den Jägerinnen und Jägern, die Wasser in die Revere gebracht und die Suhlen beschickt hätten. Zur geplanten Photovoltaikanlage auf der „Autobahngrünbrücke Pellinger Berg“, die den Genaustausch zwischen den Rotwildbeständen im Cannertal in Lothringen und denen im Hunsrück gefährde, sagte er, dass es derzeit noch sehr ruhig sei und ein Baubeginn bei der Photovoltaikanlage bisher noch nicht erkennbar gewesen sei. Die gemeinsame Klage von DJV und NABU sei aber vorbereitet.

LJM Schneider zeigte sich sichtlich stolz über die Schießmöglichkeiten der VJS auf den beiden Ständen am Jägerheim und in Steinberg-Deckenhardt und bedankte sich bei den jeweiligen Schießstand-Teams für deren hauptamtliche, insbesondere aber für deren ehrenamtlichen Leistungen. Weiter war er stolz über die Vielzahl von angeboten Schießseminaren, aber auch anderen Seminaren und die Vielzahl der Jäger-, Jagdaufseher und Falknerprüfungen und bedankte sich herzlich bei den vielen Ausbilderinnen und Ausbildern und Prüferinnen und Prüfern.

Anschließend wurden für ihre Tätigkeit als Drohnenpiloten Herr Alexander Birk, Revier Püttlingen I, Herr Patrik Siegwart, Revier Köllerbach I und Herr Gernot Schmidt, tätig im Revier Püttlingen II, geehrt. Die Kitzrettung während der Mahdzeit sei Dank der ursprünglichen Initiative von Kreisjägermeister Heiner Kausch im Saarland auf höchstem Niveau. Auch die Jagdgenossenschaft der Stadt Püttlingen habe mittlerweile zwei Drohnen finanziert, die von Jägern aus den drei Revieren eingesetzt würden. Somit konnten in den letzten beiden Jahren insgesamt 50 Kitze vor dem Mähtod gerettet werden.

Schatzmeister Stefan Kasel erstattete dann den Bericht über die finanzielle Situation der VJS im letzten Jahr und Kassenprüfer Holger Basten konnte mitteilen, dass die Kassenprüfung keine Beanstandungen ergeben habe. Die Versammlung erteilte dem Vorstand einstimmig Entlastung für das Kassenjahr 2025.

Die Jagdhornbläserjnnen und Jagdhornbläser des „JBC Mittleres Primstal“ und des „JBC Niedtal“ eröffneten die Versammlung, führten durch die Versammlung und schlossen sie mit ihren Jagdhornsignalen und Spielstücken. Bei ihnen, bei der ausrichtenden Kreisgruppe Saarlouis mit KJM Jürgen Schmitt an der Spitze, und bei allen Helferinnen und Helfern, die zum Gelingen des Tages beigetragen haben, bedankte sich LJM Josef Schneider besonders herzlich.