natursemmelsberger2_0Was ist Jagd (Reviersystem, Ausbildung, gesetzliche Grundlagen)

Wer Jäger werden will, muss eine Jägerprüfung absolvieren. Der Ausdruck „grünes Abitur“ gibt einen Hinweis darauf, dass man sehr gut und vielfältig ausgebildet sein muss, um die Prüfung zu schaffen und hat nach wie vor Gültigkeit. Mit bestandener Jägerprüfung kann man – jedes Jahr neu – einen Jagdschein lösen. Damit allein kann man aber immer noch nicht jagen. Es bedarf eines Revieres. Dort kann man als Gast mitjagen. Frühestens nach 3 Jahren kann man selbst ein Revier pachten, sei es eine sogenannte gemeinschaftliche Jagd um einen Ort herum oder eine Eigenjagd, die mindestens 75 ha groß ist und einer Person gehört. Geregelt ist dies alles in einem Bundesjagdgesetz und in einem Länderjagdgesetz, z.B. für uns im „Saarländischen Jagdgesetz“. Der Eigentümer oder durch die Jagdpacht Nutzungsberechtigte einer Jagd darf das erlegte Wild dann auch behalten oder vermarkten. Mit dem Erlös des verkauften Wildbretes bestreitet er dann wieder die mit dem Revier verbundenen Ausgaben, wie z.B. auch den Beitrag zur Berufsgenossenschaft. Im kaufmännischen Sinne „setzt“ der Jäger dabei regelmäßig „zu“.

Besonderheit der Jagd im Saarland

Das Saarland liegt mitten in Europa und an der Grenze zu Frankreich und Luxemburg. Vielfältige Jagdkontakte gehen „rüber und nüber“ zu unseren frankophonen Nachbarn. Die Initiative zur Gründung der „Action interrégionale de la Nature et de la Chasse“ (AINC) ging vom Saarland aus. Heute gehören neben der Vereinigung der Jäger des Saarlandes (VJS) die Jagdverbände von „Moselle“, „Bas-rhin“, Luxemburg, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg dieser lockeren und kleinen, aber feinen Runde an, um sich periodisch, aber auch zwischendurch über gemeinsame und unterschiedliche jagdliche Dinge zu unterhalten und so Grenzen zu überwinden.

Die Jagd im Saarland lebt auch im Spannungsfeld zwischen fast geschlossenen Waldungen der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, die heute zum überwiegenden Teil Staatswald darstellen und nur von Siedlungen geprägt sind, die der saarländischen Gruben- und Hüttenvergangenheit geschuldet sind. Dort trifft der Wald unmittelbar auf Gärten. Schwarzwild nutzt das eine als Schlaf- und Wohnzimmer und das andere als Esszimmer, was naturgemäß Probleme hervorruft. Insbesondere im mittleren Saarland haben wir jedoch gemeinschaftliche Jagdbezirke, die landwirtschaftlich geprägt sind und die Waldanteile nur 10 oder 15 % betragen. Dort tritt das Schwarzwild überwiegend als Problem für die Landwirtschaft auf. Unterschiedliche Ziele in der Bejagung zwischen Förstern (Staatsjägern) und privaten Jägern wollen von der VJS ausgeglichen werden, was nicht immer einfach ist.

Schalldämpfer im Saarland

Mit Schreiben vom 19.05.2016 hat die Oberste Waffenbehörde den Unteren Behörden mitgeteilt, dass sich der Innenminister Klaus Bouillon und der Umweltminister Reinhold Jost nach eingehender Abwägung der berechtigten Belange des persönlichen Gesundheitsschutzes des einzelnen Jägers einerseits wie auch der öffentlichen Sicherheit andererseits dafür ausgesprochen haben, ein Bedürfnis für Schalldämpfer für Jagdlangwaffen anzuerkennen.

Das heißt, dass jetzt auch im Saarland nach Einzelfallprüfung die Erlaubnis zum Erwerb eines Schalldämpfers durch die Untere Waffenbehörde erteilt werden kann, da mit dem neuen Jagdgesetz vom 19.03.2014 das vormalige jagdliche Nutzungsverbot gestrichen wurde.

Die Bedürfnisprüfung ist eine Einzelfallprüfung und entspricht § 8 WaffG.
Schalldämpfer stehen (wie wesentliche Teile) den Schusswaffen gleich.
Es ist ein WBK-Voreintrag erforderlich, für den im Einzelfall ein Bedürfnis nachgewiesen werden muss.
Von einem Bedürfnis ist auszugehen, wenn der Schalldämpfer auf einer Jagdlangwaffe in einem schalenwildtauglichen Kaliber (E 100 größer 1.000 J) verwendet werden soll. Er darf nach dem Erwerb auch nur mit einer entsprechenden Jagdlangwaffe verwendet werden.

Es bedarf zum Führen eines Schalldämpfers analog des Führens der (dazugehörigen) Jagdwaffe der gültige Jagdschein und die WBK mit dem eingetragenen Schalldämpfer.

Schalldämpfer sind im Waffenschrank auch analog einer Langwaffe aufzubewahren, wobei sie auf die Waffenkontingente der jeweiligen Aufbewahrungsbehältnisse zahlenmäßig nicht angerechnet werden.

Da weiter die Kennzeichnungsbestimmungen wie bei einer Waffe gelten, ist darauf zu achten, dass der zu erwerbende Schalldämpfer auch die notwendigen Kennzeichen, z.B. auch eine Seriennummer besitzt, sonst wird ggf. eine nachträgliche Anbringung solcher Kennzeichen notwendig (was mit Ärger, aber auch mit Kosten verbunden sein kann bzw. wird).
Vor Verwendung in einem anderen Bundesland ist die dortige Rechtslage eigenverantwortlich zu prüfen. Gleiches gilt auch für die Mitnahme oder das Verbringen in andere EU-Länder.